Magazin: Geldbörse gestohlen – Was tun?

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Man denkt nicht daran, bis es einem selbst passiert“

Es kann im Alltag passieren, während der Arbeit, in der Schule oder auch im Urlaub. Diebe nutzen eine kurze Unachtsamkeit aus und die Tasche mit den Wertsachen ist weg. Wem es noch nicht passierte, der wird sich wenig darüber Gedanken machen bis es dann doch geschieht. Hier gilt es kühlen Kopf zu bewahren und schnell zu handeln bevor der Schaden größer wird. Natürlich sollte man es meiden, Wertsachen in vermeintlich sicheren Orten wie dem Auto liegen zu lassen. Besonders im Ausland sind Banden darauf spezialisiert Autos schnell aufzubrechen, aber auch im Inland sollte man die Wertsachen möglichst bei sich tragen.

Was muss ich sperren lassen?

  • Jede Art von Bankkarten (Girokarte, Kreditkarte, Sparkarte, Verfügungskarte)
  • Zugänge zum Online-Banking 
  • Mitarbeiterzugangskarten
  • Elektronische Ausweisfunktion des neuen Personalausweises

Was ist mit dem Personalausweis/Führerschein?

  • Offizielle Dokumente wie der Personalausweis und der Führerschein sind grundsätzlich nicht sperrbar.
  • Den Verlust müssen sich jedoch den Behörden (Polizei und Ausgabestelle) melden.
  • Befindet man sich im Ausland sollte man die deutsche Botschaft kontaktieren, wenn man sich nicht mehr ausweisen kann.   

Was ist mit Krankenkassenkarten oder Fahrkarten?

  • Beides sind nicht sperrbare Medien, allerdings sollte man den Verlust bei der Krankenkasse bzw. der Verkehrsgesellschaft zeitnah melden.
  • Inhaber einer Bahncard müssen sich bei Deutschen Bahn melden: 0180 6 34 00 35 (Montag bis Freitag 7-21 Uhr, Samstag 9-18 Uhr)

Wo sperre ich die Karten?

Beim Sperrnotruf 116 116. Dort lassen sich fast alle Arten von Bankkarten sperren, so auch die Online-Ausweisfunktion des Personalausweises und die Zugänge zum Online-Banking.
Bei diesem Service sind alle deutsche Banken sowie Behörden beteiligt, allerdings gibt es auch hier Ausnahmen: Kreditkarten von der Targobank und Postbank können derzeit nur bei der Bank direkt gesperrt werden, Girokarten der beiden Banken können dagegen ebenso über den Sperrnotruf 116 116 gesperrt werden.

Zu beachten ist, dass über den Sperrnotruf nur inländische Bankkarten (außer JCB International) gesperrt werden können. Kreditkarten der Advanzia und Barclay Bank lassen sich darüber nicht sperren. Ebenso muss man bei manchen Kreditkarten (zb: ADAC, Karstadt) die herausgebende Bank ermitteln.

Beim Anruf des Sperrnotruf hat man eine Vorauswahl zu treffen, da viele Sperrstellen daran angebunden sind.

Sperrnotruf 116 116
(aus dem Ausland +49 116 116 oder +49 30 4050 4050)
Sprachmenü Ebene 1 – Sperrvermittlung
1 Sparkassen Finanzgruppe – Hier werden alle Arten von Bankkarten von den Sparkassen, sowie den Landesbanken und der DKB gesperrt
2 Bank – Karten aller anderen Banken. Zugang zu Ebene 2
3 Erweiterte Sperrvermittlung – ideal für Bankkarten verschiedener Banken oder Sparkassen, aber auch für SIM-Karten und Online-Banking
4 Elektronische Ausweisfunktion des neuen Personalausweises 
9 Sperrvermittlung in englischer Sprache
Sprachmenü Ebene 2 – Sperrservice für Bankkarten aller Banken
1 Girokarten 
2 Kreditkarten 
3 elektronische Signaturen

 

 

 

 

 

 

 

Muss ich meine Bankdaten wissen?

Je nach Medium eindeutig Ja. Bei Girokarten muss man mindestens die Kontonummer wissen, besser die IBAN-Nummer. Bei Kreditkarten reichen oft persönliche Angaben aus. Für das sperren der Online-Ausweisfunktion des Personalausweises braucht man das Sperrkennwort. Empfehlenswert ist es, solche Angaben vorab zu notieren oder ein Abbild der Karten zu erstellen. Die Kopien sollte man an verschiedenen Orten ablegen, etwa im Handy oder einer separaten Tasche. Notieren sie sich auch die Telefonnummern, die sie anrufen müssen, wenn ihre Bankkarte vom Sperrservice nicht gesperrt werden kann. Manche Banken erlauben es die Karten auch über das Online-Banking zu sperren.

Was gilt zu beachten, wenn man mehrere Girokarten bei einem Konto hat?

Quelle: kuno-sperrdienst.de

Anders als bei Kreditkarten sind Girokarten (ehemals EC-Karte) systembedingt nicht unterscheidbar. Im Falle einer Sperrung werden alle Girokarten eines Kontos gesperrt. Möchte man nur eine Girokarte sperren, braucht man zwingend die Laufzeit (gültig bis: 12/xx) der betroffenen Karte und die so genannte Kartenfolgenummer. Mit Ausnahme von Postbank-Girokarten findet man diese Folgenummer nicht auf der Karte, sondern eher auf Kontoauszügen oder auf Kartenzahlungsbelege (siehe Bild). Bei der Bank kann man die Folgenummer ebenso erfragen. Alternativ kann man die nicht betroffenen Karten bei der Bank kostenfrei entsperren lassen.

Was ist KUNO?

KUNO (Kriminalitätsbekämpfung im unbaren Zahlungsverkehr unter Nutzung nichtpolizeilicher Organisationsstrukturen) ist ein zusätzlicher Sperrservice, dass von den Polizeibehörden und dem Handel unterhalten wird und die Kartenzahlung mit Unterschrift (elektronisches Lastschriftverfahren) abdeckt. In Deutschland sind zwei Zahlungsarten mit der Girokarte gängig: Zahlung mit Unterschrift und Zahlung mit PIN (auch kontaktlos). Banken und der oben erwähnte Sperrservice sperren ausschließlich die Kartenzahlung mit PIN, sodass eine Lücke entsteht, das von KUNO geschlossen wird. Weitere Informationen zu KUNO finden sie hier.

Ich habe eine Bankkarte gefunden. Was soll ich am besten tun?

  • Sofern die jeweilige Bank in der Nähe ist, dort abgeben. Die Bank wird alles weitere veranlassen.
  • Bei der Polizei abgeben.
  • Beim Sperrservice anrufen und mit den Angaben auf der Karte sperren lassen. 

Wer haftet bei einem Schaden?

  • Sofern sie die Girokarte unmittelbar haben sperren lassen (Bank oder Sperrservice) sind sie ab dem Zeitpunkt der Meldung bei der Bank versichert. 
  • Entstand der Schaden vor der Meldung haftet die Bank meist nicht. 
  • Bei Fahrlässigem handeln, zB. wenn man die Geheimzahl in der Geldbörse oder auf der Karte notiert hat, haftet man selbst. 
  • Bei Kreditkarten müssen sie den Schaden bei ihrer Bank zunächst reklamieren. 

Was muss man bei Kreditkarten beachten?

  • Die Missbrauchsgefahr bei Kreditkarten ist höher als bei Girokarten, daher sollte man Kreditkarten zuerst sperren.
  • Sperren kann man Kreditkarten beim Kartenservice der Bank oder beim Sperrnotruf 116 116.
  • Die Kreditkartennummer müssen sie nicht wissen, ihre persönlichen Angaben reichen aus.
  • Anders als bei Girokarten bleiben Kreditkarten unwiderruflich gesperrt. Ihre Bank stellt ihnen eine Ersatzkarte aus. 
  • Ermitteln sie vorher die herausausgebende Bank ihrer Karte. Bei Kreditkarten von zB. ADAC, Lufthansa, Amazon wird mit Banken oder Sparkassen kooperiert.

Muss ich mit kosten rechnen?

  • Das Sperren selbst ist völlig kostenfrei.
  • Gebühren können bei den Banken entstehen, wenn man neue Ersatzkarten bestellen muss.

Zusammenfassung:

  • Bei Verlust oder Diebstahl der Geldbörse rufen sie ihre Bank oder den Sperrnotruf 116 116 an.
  • Sofern die Online-Ausweisfunktion des Personalausweises vorhanden oder aktiv war, diese ebenso beim Sperrnotruf sperren lassen.
  • Den Verlust oder Diebstahl melden sie bei der nächsten Polizeidienststelle.
  • Zuvor notieren sie sich wichtige Angaben wie die Kontonummer und bewahren diese Notizen separat auf.

Begriffe

  • Girokarten oder Girocard ist die offizielle Bezeichnung der Karten, die früher als „EC-Karte“ oder veraltet als Scheckkarte bezeichnet wurden. 
  • Die Online oder elektronische Ausweisfunktion ist Bestandteil der neuen Personalausweise im Format einer Bankkarte und bei Abholung bereits aktiv.
  • Das Sperrkennwort zu dieser Ausweisfunktion findet man auf der zweiten Seite es Schreibens, dass man etwa 2-3 Wochen zuvor bekommen hat.

Klicken sie hier (PDF-Datei) und drucken sie sich den praktischen Infopass aus. Füllen sie ihn aus und bewahren sie ihn separat auf.  Kopieren sie den Pass zusätzlich auf ihr Smartphone. In Sperr-Notfällen haben sie ihre wichtigen Angaben bei sich und vermindern einen unnötigen finanziellen Schaden.

Weitere Informatinen zum Sperrnotruf gibt es hier.

Ein Service von L9 Medien