Kelterfest: Äpfel rein, Most raus

Der Museumsverein lässt sich bei der alten Tradition über die Schulter schauen

„Probiert doch mal! Der schmeckt ganz süß, den hat der Opa frisch gepresst“, mit diesen Worten versucht Sebastian Sebert seine beiden zweijährigen Mädchen zu überreden, den Apfelmost zu probieren. Gemeint ist Opa Rudi Müller, der beim 16. Kelterfest des Museumsvereins gemeinsam mit Wolfgang Keller, Jürgen Becker und Reinhold Ziegler die Wasserpresse in Gang hält. Unter dem Motto „Vorbeikommen – zuschauen – genießen!“ bevölkern zahlreiche Schaulustige den Museumshof, um den Vereinsmitgliedern beim Keltern über die Schulter zu schauen. „Ganz im Sinne unseres Auftrags als Heimatmuseum Griesheim erhalten und vermitteln wir mit dem Kelterfest eine alte Tradition“, macht die Vorsitzende Gabriele Winter deutlich.

Ausstellung zum Ernten und Gären

Mit rund fünf Tonnen Äpfel aus der Region habe man in diesem Jahr weniger Obst geordert als im Vorjahr, erläutert Winter. Grund dafür sei, dass die zwei Wasserpressen effektiver sind und somit der Ertrag auch größer.“Schließlich müssen wir später ja auch alles noch zu Apfelwein verarbeiten“, begründet sie die Sparmaßnahme. Jürgen Becker will es genau wissen. „22 Eimer gehäckselte Äpfel und Birnen gehen rein, zwölf Eimer Most kommen raus“, verkündet er. „Das schmeckt sehr lecker“, findet Felix (7), der sich sein Glas mit dem frischen Apfelmost gleich mehrmals füllen lässt und sich zur vollen Stunde an der Kinder-Kelter einfindet, wo die kleinen Besucher unter Anleitung von Werner Kolmer und David Jünger selbst Hand anlegen dürfen.

„Wir werden später auch noch die alte handbetriebene Kelter in Betrieb nehmen“, verspricht Gabriele Winter, begeistert von der Vielzahl der Helfer und der neuen Ideen der Vereinsmitglieder. So gibt es erstmals neben einer Museumsrallye auch eine Führung durch die Ausstellung im Schaufenstermuseum. Hier haben der zweite Vorsitzende David Jünger und sein Bruder David die Frage „Wie entsteht Apfelwein?“ mittels Schautafeln und Exponaten anschaulich umgesetzt und von der Herkunft des Apfels, über Wachstum und Ernte bis zum Keltern sowie dem Gärungsprozess die Entstehungsgeschichte deutlich gemacht.

Auch der BUND ist mit informativen Schautafeln vertreten und macht unter anderem auf Wildbienen und die Bedeutung von Streuobstwiesen aufmerksam. Während im Hof von der Kulturscheune sich alles um den Apfel dreht, herrscht im Innenhof der ehemaligen Hofraite eine völlig andere Atmosphäre. Zwischen Sommerküche und Bauernscheune sind Karl Feldmann und Helmut Heller mit der Zubereitung des beliebten Kesselgulaschs beschäftigt, in der Küche werkelt das Team um Ulla Zimmer. Sie kümmern sich um den Verkauf selbsthergestellter Latwäje sowie frischer Waffeln und Zwiebelkuchen, während die Gruppe „Le Cairdre“ in der Remise die Besucher mit dem Lied „Farewell tae the Haven“ unterhält.

Artikel/Titelbild: Gudrun Hausl
Der Artikel erschien zuvor beim Darmstädter Echo, den wir dankend übernehmen durften.